
Über Jahrzehnte wurde der Bund der Vertriebenen (BdV) in Polen kritisch wahrgenommen. Heute – so sein Präsident Stephan Mayer – setzt die Organisation auf Dialog, deutsch-polnische Annäherung und Respekt gegenüber den Polen. Ebenso wichtig ist die gemeinsame Pflege der Erinnerung und der Geschichte der ehemaligen deutschen Ostgebiete.
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In Oberschlesien wurde der 1. Mai nie zu einem Fest der Arbeitergemeinschaft. Er war vielmehr ein fremdes Ritual der sozialistischen Welt, das in der katholischen Bevölkerung der Region keinen Anklang fand. Während anderswo die Arbeiter marschierten, kehrte man hier in die Arbeiterwohnsiedlungen, Gärten und Pfarreien zurück. Über diese Andersartigkeit entschied auch … der Ziegelstein.
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Die Tradition der österlichen Reiterprozessionen gelangte im Zuge der im 12. Jahrhundert von der heiligen Hedwig von Andechs inspirierten Kolonisation nach Schlesien. Dieser bayerische Brauch der Bittumritte über die Felder hat Jahrhunderte überdauert. In Benkowitz bei Ratibor wird auf diese Weise bis heute der Frühling begrüßt – ernsthaft und mit Gebet. Die Reiterprozessionen werden mit großer Ernsthaftigkeit begangen und erfüllen eine wichtige integrative Funktion.
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Vertreter des Schlesischen Kommunalverbands wollen bei den Sejm-Wahlen ein eigenes Komitee bilden. Das Projekt soll als regionale Initiative auftreten, die den autochthonen Kreisen gegenüber offener ist, doch ins Parlament möchte man dank der für nationale Minderheiten vorgesehenen Regelung gelangen. Dies wirft die Frage nach der politischen Identität dieses Vorhabens auf.
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In dem kleinen Dorf Wiersbel bei Lamsdorf fordern die Nachkommen von polnischen Neusiedler, die sterblichen Überreste der Luftwaffenpiloten als Teil der lokalen Geschichte zu würdigen. Diese Bitte zeugt von ihrer europäischen Reife, Toleranz und Offenheit gegenüber der komplexen Vergangenheit der Region. Diese Initiative war den institutionellen Eliten Oppelns offenbar zu heikel, sodass sie im Namen der politischen Korrektheit vermutlich bemüht waren, sie möglichst geräuschlos zu übergehen.
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Knut Abraham (MdB), Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-polnische Zusammenarbeit, beobachtet mit großer Sorge den wachsenden Zuspruch für die populistische Partei AfD, die Sympathien sowohl für extrem nationalistische Strömungen als auch für Wladimir Putin vereint. Im Gespräch mit Spectrum.direct betont Knut Abraham die Notwendigkeit, alle Kräfte zu mobilisieren, um einen weiteren Zuwachs ihres Einflusses zu verhindern.
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Jeder, der durch Poremba oder von Leschnitz in Richtung Sankt Annaberg fährt, sieht die seit Jahren andauernden Renovierungsarbeiten an der dortigen die Annaberger Kalvarie. Sie werden größtenteils aus Mitteln privater Spender finanziert. Das ist keine gewöhnliche Denkmalrenovierung. Es ist ein Zeichen dafür, dass in der Region ein kollektives Verantwortungsgefühl für einen Ort erwacht und sich festigt, der seit Generationen die autochthone Identität prägt.
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Mit Knut Abraham, dem Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-polnische Zusammenarbeit, sprechen wir über die Zukunft des deutsch-polnischen Runden Tisches 2026 sowie über die Rolle der deutschen Minderheit, der Polonia und der Vertriebenenverbände – drei Gruppen, die trotz unterschiedlicher Erfahrungen heute vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
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In autoritären Systemen muss der Staat niemanden physisch eliminieren, um ein Leben als weniger wert einzustufen. Es genügt, es als Kollateralschaden höherer Ziele zu behandeln. Das Buch „Ołowiane dzieci“ von Michał Jędryka hilft zu verstehen, warum die Autochthonen heute ihre Eigenständigkeit einfordern.
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In Oberschlesien ist eine Politik möglich, die ohne die Trennung in Minderheit und Schlesier auskommt. Der Bürgermeister von Leschnitz, Łukasz Jastrzembski, spricht über die Entstehung einer neuen Wahlplattform, über die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit schlesischen Gruppierungen sowie über eine besondere Loyalität gegenüber den Menschen, deren Familien diese Region seit Jahrhunderten mitprägen. Es ist ein Gespräch über das Schlesischsein, über Vertrauen und über eine Politik im Interesse der Region – nicht im Interesse von Auseinandersetzungen, die in Warschau geführt werden.
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Was bedeutet heute Schlesischsein, was Deutschsein in Oberschlesien – und müssen diese beiden Identitäten zwangsläufig miteinander konkurrieren? In einem Gespräch für spectrum.direct spricht Dr. Tomasz Hutsch, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Regios, über die Identität des Ortes, die Situation der deutschen Minderheit sowie über mögliche Formen der Zusammenarbeit jenseits milieubedingter Trennlinien. Es ist eine vertiefte, stellenweise auch polemische Reflexion über Sprache, Erinnerung und die Zukunft einer Region, die – wie der Gesprächspartner betont – im europäischen Maßstab einzigartig bleibt.
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Eine der prächtigsten und zugleich am besten erhaltenen aristokratischen Residenzen in Oberschlesien kommt unter den Hammer. Der bisherige Eigentümer ist insolvent, das Anwesen wurde vom Gerichtsvollzieher zum Verkauf ausgeschrieben. Erstmals seit Jahrzehnten eröffnet sich damit die Chance, nicht nur den architektonischen Glanz des barocken Schlosses wiederherzustellen, sondern auch eine aristokratische Lebensform, die untrennbar mit diesem Ort verbunden war.
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Agnieszka Dłociok steht an der Spitze einer der dynamischsten Organisationen der deutschen Minderheit in Polen. Während in vielen DFK-Ortsgruppen die Mitgliederzahlen kontinuierlich zurückgehen, kommt der TSKN-Kreisverband in Gleiwitz mit dem Drucken neuer Mitgliedsausweise kaum hinterher. Innerhalb seiner Strukturen ist die Stimme der jungen Generation immer deutlicher zu vernehmen. Im Gespräch mit A. Dłociok sprechen wir über die Quellen dieses Phänomens, über ihr persönliches Verhältnis zur schlesischen Identität sowie darüber, warum – wie sie selbst betont – das, was sie tut, aus dem Herzen kommt und ihr echte Freude bereitet.
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Die Entscheidung der Bundesregierung, die Finanzierung der Vertriebenenorganisationen sowie der deutschen Minderheiten im Ausland dem Bundesinnenministerium zu übertragen, eröffnet ein neues Kapitel der deutschen Erinnerungs- und Minderheitenpolitik. Der neue Ansatz soll den Schutz des deutschen kulturellen Erbes stärken, die Verständigungspolitik festigen und die Rolle der Minderheiten ausbauen. Im Gespräch mit Spectrum Direct spricht Prof. Dr. Berndt Fabritius über Prioritäten, Herausforderungen und die Zukunft der deutschen Gemeinschaft in Schlesien.
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Der hundertste Geburtstag von Heinz Piontek wurde in Kreuzburg nicht nur zum Anlass, an einen herausragenden Schriftsteller zu erinnern, sondern auch daran, dass große schlesische Literatur keine nationalen Grenzen kennt. Piontek trug – wie viele Künstler dieser Region – sein Leben lang dieselbe Sehnsucht nach der Landschaft seiner Kindheit in sich.
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Die Zukunft der deutschen Minderheit in Polen hängt vom Mut ab, den Begriff der deutschen Identität neu zu definieren – nicht als abstrakte Idee, sondern als lebendige, in der schlesischen Region verwurzelte Gemeinschaft. Das kulturelle Leben der Minderheit kann wieder zu einer Quelle von Stolz, Zusammenhalt und kreativer Kraft werden.
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In der polnischen Botschaft in Berlin fand ein von Dr. Adrianna Tomczak, der Leiterin des Polonia-Büros, initiiertes Treffen. Die Diskussion über die neue Rolle der Polonia zeigte, dass Erfahrung, Mobilität und doppelte Identität zum Fundament einer neuen Brücke zwischen Polen und Deutschland werden könnten.
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Dr. Natalia Klimaschka gehört zu den vier Finalistinnen des renommierten Wettbewerbs „Auslandsdeutsche des Jahres“. Teilnehmen können Frauen aus aller Welt, die außerhalb der Bundesrepublik Deutschland leben. Die Teilnahme einer Oberschlesierin an diesem Wettbewerb hat in den sozialen Medien eine Welle von Hasskommentaren ausgelöst – erschreckend in Ton und Inhalt, und letztlich gegen die gesamte schlesisch-deutsche Gemeinschaft gerichtet.
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In den vergangenen drei Jahrzehnten hat Polen eine Transformation erlebt, wie sie in seiner Geschichte kaum vorkommt – aus einem Land im Wiederaufbau wurde ein fester Bestandteil des modernen Europas. Die Stadtlandschaften unterscheiden sich heute kaum noch von denen westlicher Metropolen. Doch nicht alle europäischen Werte haben bereits Eingang in das Bewusstsein der politischen Entscheidungsträger gefunden. Ein Beleg dafür ist die hitzige Diskussion um die Restaurierung der Kaiserbrücke in Breslau.
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Die Feier in Gogolin zum 35-jährigen Bestehen der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (SKGD) war ohne Zweifel ein großer Erfolg – die beeindruckende Teilnehmerzahl und die professionelle Gestaltung zeigten die Lebendigkeit der Minderheit. Und doch – im Rampenlicht blieben gerade die Wichtigsten im Schatten.
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In der Gemeinde Rudnik stehen die ersten zweisprachigen Ortsschilder bereits – in Lubowitz. In den übrigen Orten laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Anders in den benachbarten Groß Peterwitz: Trotz eines gültigen Gemeindebeschlusses und der Zustimmung des Ministeriums gibt es dort bis heute keine Tafeln. Bürgermeister Adam Wajda hält die Entscheidung zurück. Eine ungewöhnliche Situation – zum ersten Mal ist es nicht die Regierung, sondern die Selbstverwaltung, die die Umsetzung des eigenen Beschlusses blockiert.
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Der Verlust der Attraktivität der Bundesrepublik Deutschland für nationale Bekenntnisse der deutschen Minderheit hat weitreichende Folgen. Während sich die Autochthonen gerne zu ihren preußischen, regionalen Wurzeln bekennen, beeindruckt der deutsche Pass heute niemanden mehr. Das Interesse an der heutigen Bundesrepublik schwindet zusehends.
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Im Frühjahr dieses Jahres beschloss der Vorstand der Stiftung Haus Oberschlesien, das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen mit dem Ruhr Museum in Essen zu „integrieren“. Der Widerstand gegen diese Pläne vereinte schlesische Autochthonen, die deutsche Minderheit, aber auch Vertriebenenorganisationen und die Polonia in Deutschland. Eine solche gemeinsame Front all dieser Gemeinschaften hat es noch nie gegeben.
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Schlesische Arbeiter wurden in Deutschland beleidigt, ausgebeutet und betrogen. Die Konfrontation mit der realen Wirklichkeit der Bundesrepublik war für viele Autochthone ein Schock – und die Enttäuschung wuchs. Diese Stimmungswende in Oberschlesien schien die Führung der deutschen Minderheit kaum wahrzunehmen.
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Auf dem deutschen Fundament zeichnet sich in der Minderheit zunehmend eine neue, regionale Identität ab. Das Jubiläumsfest zum 35-jährigen Bestehen der SKGD der Woiwodschaft Schlesien wurde zu einem sichtbaren Beweis dieses Prozesses. Es fand im Kulturzentrum von Lubowitz statt und zog vor allem jene Generation an, die am stärksten unter der Polonisierungspolitik der Volksrepublik Polen gelitten hat.
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