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Geschichte
Menschen
29.9.2026
Wir stehen hier in Demut angesichts des Verbrechens
Zehn Tage lang bewahrten polnische und deutsche Soldaten die materiellen Überreste eines der größten Kriegsgefangenenlagerkomplexe der Wehrmacht vor dem Verfall. Sie arbeiteten gemeinsam, doch sie standen diesem Ort nicht mit derselben historischen Belastung gegenüber. Für die Polen war es die Sorge um die Erinnerung an die Opfer. Für die Deutschen war es die Konfrontation mit den Verbrechen des eigenen Staates. Marlen Sulzer, Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Oppeln, versuchte nicht, diesen Unterschied zu verwischen.
Der II Kongress der Schlesischen Kommunalpolitiker warf mehr Fragen auf, als er Antworten lieferte. Deutlich zu hören war die Forderung, in Oberschlesien eine offene, europäische regionale Identität aufzubauen, die alle Einwohner einschließt. Dennoch drängt sich die Frage auf, ob die Schlesischen Kommunalpolitiker mit diesem Projekt die Gemeinschaft stärken, aus der sie hervorgegangen sind, oder ob sie im Gegenteil einen Weg vorschlagen, der zu einer allmählichen Erosion ihrer kulturellen Eigenständigkeit führt.
Auf Initiative der Deutschen in Beuthen nahm der einstige preußische Oberbürgermeister der Stadt wieder vor seinem Haus „Platz“. Der Stadtrat stimmte zu, ein städtisches Unternehmen stellte das Geld bereit, und vor der Villa Georg Brünings wurde eine Denkmalbank mit seiner Figur aufgestellt. Das heutige Beuthen behandelte ihn nicht wie einen Fremden. Die Stadt erkannte ihn als Teil ihrer eigenen Geschichte an.
Berlin ist die Stadt, aus der einst die dramatischen Befehle zur Bombardierung Warschaus, zur massenhaften Erschießung seiner Einwohner und schließlich zur beinahe vollständigen Zerstörung der Stadt erteilt wurden. Eine erschütternde Bilanz des Unrechts von nahezu kosmischem Ausmaß. Doch wie nach einer Sonnenfinsternis kam ein schöner Tag. Und genau an diesem symbolischen Tag, dem 12. August, reichten sich beide Städte wieder die Hand.
Bei einem sommerlichen Spaziergang erfuhr Karol Heliosz das Geheimnis um die Beziehung seiner Freundin mit ihrem eigenen Cousin. Dabei hörte er auch die Geschichte davon, wie Kasia plötzlich mit ganz anderen Augen auf die Bilder ihres Urgroßvaters mit preußischer Pickelhaube vor den Befestigungen des eroberten Fort Douaumont in Frankreich blickte - und auf die deutsche Geschichte ihrer eigenen Familie.
In Neustadt O.S. hat es tatsächlich ein Ghetto für Deutsche gegeben. Es gab Stacheldraht, Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Tod. Achtzig Jahre später brachte der Kreistag von Neustadt O.S. den Mut zu einer Geste der Erinnerung auf und ergriff die Initiative, der Opfer zu gedenken. Dieser ehrenwerte Versuch, sich der Geschichte aufrichtig zu stellen, scheiterte jedoch an lokaler Engstirnigkeit.
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