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Geschichte
Identität
Kultur
21.9.2026
Konsolidierung oder Assimilation?
Der II Kongress der Schlesischen Kommunalpolitiker warf mehr Fragen auf, als er Antworten lieferte. Deutlich zu hören war die Forderung, in Oberschlesien eine offene, europäische regionale Identität aufzubauen, die alle Einwohner einschließt. Dennoch drängt sich die Frage auf, ob die Schlesischen Kommunalpolitiker mit diesem Projekt die Gemeinschaft stärken, aus der sie hervorgegangen sind, oder ob sie im Gegenteil einen Weg vorschlagen, der zu einer allmählichen Erosion ihrer kulturellen Eigenständigkeit führt.
Auf Initiative der Deutschen in Beuthen nahm der einstige preußische Oberbürgermeister der Stadt wieder vor seinem Haus „Platz“. Der Stadtrat stimmte zu, ein städtisches Unternehmen stellte das Geld bereit, und vor der Villa Georg Brünings wurde eine Denkmalbank mit seiner Figur aufgestellt. Das heutige Beuthen behandelte ihn nicht wie einen Fremden. Die Stadt erkannte ihn als Teil ihrer eigenen Geschichte an.
Berlin ist die Stadt, aus der einst die dramatischen Befehle zur Bombardierung Warschaus, zur massenhaften Erschießung seiner Einwohner und schließlich zur beinahe vollständigen Zerstörung der Stadt erteilt wurden. Eine erschütternde Bilanz des Unrechts von nahezu kosmischem Ausmaß. Doch wie nach einer Sonnenfinsternis kam ein schöner Tag. Und genau an diesem symbolischen Tag, dem 12. August, reichten sich beide Städte wieder die Hand.
Bei einem sommerlichen Spaziergang erfuhr Karol Heliosz das Geheimnis um die Beziehung seiner Freundin mit ihrem eigenen Cousin. Dabei hörte er auch die Geschichte davon, wie Kasia plötzlich mit ganz anderen Augen auf die Bilder ihres Urgroßvaters mit preußischer Pickelhaube vor den Befestigungen des eroberten Fort Douaumont in Frankreich blickte - und auf die deutsche Geschichte ihrer eigenen Familie.
In Neustadt O.S. hat es tatsächlich ein Ghetto für Deutsche gegeben. Es gab Stacheldraht, Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Tod. Achtzig Jahre später brachte der Kreistag von Neustadt O.S. den Mut zu einer Geste der Erinnerung auf und ergriff die Initiative, der Opfer zu gedenken. Dieser ehrenwerte Versuch, sich der Geschichte aufrichtig zu stellen, scheiterte jedoch an lokaler Engstirnigkeit.
Der deutsche Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sprach anlässlich einer Gedenkfeier für die Opfer von Flucht und Vertreibung nach 1945 über die Notwendigkeit, sich den in Europa wiederauflebenden Nationalismen entgegenzustellen. Das wirksamste Instrument dafür sei eine gemeinsame europäische Identität, die stärker sein sollte, als nationale Egoismen. Gedanken nach dem Berliner Treffen.
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