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26.7.2024
Verloren durch Unaufmerksamkeit
Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die polnische Gemeinschaft in Deutschland den Status einer nationalen Minderheit. Sie funktionierte nicht nur in Oberschlesien, sondern auch in Berlin oder im Ruhrgebiet. Dieser Status wurde ihr 1940 von den Nazis entzogen, aber bereits 1951 wieder verliehen. Seine erneute Aufhebung wurde von den Unterhändlern des deutsch-polnischen Traktats im Jahre 1991 vereinbart.
Carl Ulitzka war die größte moralische und politische Autorität in Oberschlesien während der Zwischenkriegszeit. Als Vorsitzender der Oberschlesischen Zentrumspartei prägte er lange Zeit das regionale Leben entscheidend mit. Zweimal wurde er in Exil geschickt. 1939 wurde er von der Gestapo und 1945 von den neuen Machthabern aus seiner Gemeinde vertrieben. Heute fordern die Ratiborer Eliten, dass sein Grab in seinen Heimatort verlegt wird.
Es zeichnet sich eine bizarre Situation. Vieles deutet darauf hin, dass wir in Oberschlesien bald zwei große Minderheiten haben werden - eine deutsche und eine schlesische. Beide benutzen dieselbe Sprache und berufen sich auf die gleichen historischen Traditionen. Sie unterscheiden sich eigentlich nur mit ihren politischen Führern. Der Beschluss des polnischen Sejm die schlesische Sprache anzuerkennen, kann sehr ernste Veränderungen mit sich bringen.
Ein Freund vom Eichendorff auf der Versammlung des DFK
Als in der 90-ger Jahre Jacek Wojciechowicz der Stellvertretender Bürgermeister der Stadt Ratibor wurde, hat er das deutsche Eichendorff Denkmal im Herzen der Stadt wieder aufgebaut. In den folgenden Jahren hatten jedoch seine Nachfolger nicht so viel Verständnis für die Bedürfnisse der Deutschen in Ratibor. Wojciechowicz, der wieder nach 30 Jahren wieder an den Wahlen zum Bürgermeister teilnimmt, möchte auf diese Traditionen zurückgreifen.
Aus Enttäuschung über die unterschiedlichen autochthonen Organisationen haben einige Gruppen von Jugendlichen beschlossen, eine unabhängige Jugendorganisation Regios zu gründen. Sie widmet sich einer holistischen Betrachtung der Regionalen Geschichte mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Kaiserzeit. Sie sind jedoch keineswegs bereit, sich der offiziellen deutschen Minderheitenorganisation zu unterwerfen.
Bislang wusste man in Ratibor nicht zu viel über die Familie von Lichnowsky. Sie galten eher als eine der vielen oberschlesischen Adelsfamilien. Das hat sich jedoch dank Natalia Klimaschka und Ihrer benediktinischen Geduld geändert. Durch ihre Suche nach längst vergessenen Quellen wurde es möglich, einen Film über diese ungewöhnliche Familie zu drehen. Das Eichendorff-Konversatorium zeigte diesen Film auf dem Schloss Ratibor.
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